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Arbeiten in Russland: Alles was du darüber wissen musst

Arbeiten im Ausland

Ein Leben in Russland wird oft mit Bürokratie und Korruption verbunden, obwohl es viel mehr zu bieten hat. Das flächenmäßig größte Land der Welt erstreckt sich über zwei Kontinente und bietet eine enorme Vielfalt an Sehenswürdigkeiten.

Viele multinationale Unternehmen lassen sich in Russland nieder oder investieren dort, um später dort eine Präsenz aufzubauen oder zu expandieren. Da die Bevölkerung in Russland altert, besteht ein Fachkräftemangel. Dementsprechend ist der Bedarf nach qualifizierten Fachkräften groß.

Ein Aufenthalt in Russland wird oft als Karrieresprungbrett gesehen. In Russland wirst du mehr gefordert als in Deutschland und qualifizierst dich dadurch für hohe Führungspositionen. Aber auch innerhalb Russlands sind die Aufstiegschancen gut. Ein Aufenthalt in Russland gibt deiner Karriere einen internationalen Touch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Du kannst entweder normal eingestellt werden oder als hochqualifizierter Spezialist. Russischkenntnisse sind nicht immer vonnöten.
  • Die Gehälter in Russland liegen unter dem deutschen Durchschnitt. Allerdings verdienen ausländische Arbeitnehmer meist überdurchschnittlich.
  • Besonders die höher bezahlten Berufen, wie im Management, Bankwesen oder der IT – Branche, bieten gute Arbeitschancen.

Hintergründe: Was du über das Thema Arbeiten in Russland wissen solltest

Wer nach Russland kommt, wird meist in den Großstädten wie Moskau oder St. Petersburg arbeiten. Am einfachsten kommst du als Expat nach Russland. Da in Russland ein Fachkräftemangel herrscht, sind Arbeitskräfte aus dem Ausland gern willkommen.

Da Russland sehr bürokratisch ist und es dauern kann bis die notwendigen Dokumente zur Einreise vorliegen, solltest du deinen Aufenthalt rechtzeitig planen. Vor Ort solltest du daran denken, dass mit Rubel gezahlt wird.

Die Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche und Überstunden dürfen nicht 120 Stunden pro Jahr übersteigen. Urlaub bekommst du mindestens für 28 Kalendertage.

Der Arbeitnehmer wird in Russland durch einen strengen Arbeitnehmerschutz geschützt. Entlassen werden darf nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen, wie fehlender Qualifikationen oder gesundheitlichen Gründen. Für eine Kündigung braucht es das Einverständnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Arbeitsvertrag zwischen russischen Firmen und ausländischen Arbeitnehmern sieht  zudem weitere Voraussetzungen für eine Kündigung vor.

Auch wenn es schwer ist entlassen zu werden, kann der Arbeitgeber bei schlechten Verhalten den Lohn kürzen, soweit dieser über den Mindestlohn liegt.

Der geschlossene Arbeitsvertrag ist auf eine unbestimmte Dauer ausgelegt und beinhaltet Angaben zur Arbeitserlaubnis und zur Krankenversicherung. Bei Verstößen gehen die gegebenen Vorschriften für gültige Arbeitsverträge muss eine Strafe von 5.000 Rubel, zurzeit 56 Euro, bezahlt werden. Unter Umständen kann es zur Ausweisung kommen.

Russland ist ein Land voller Arbeitsmöglichkeiten. Fachkräfte aus dem Ausland kommen vor allem als Expaten in die Großstädte Russlands. (Bildquelle: vierro / Pexels)

Um in Russland zu arbeiten, musst du nicht unbedingt Russisch sprechen. Es gibt viele deutsche Unternehmen, die in Russland agieren und auf Deutsch oder Englisch kommunizieren. Bei diesen Unternehmen entfallen meist die russischen Sprachanforderungen.

Ob die Sprachkenntnisse vorausgesetzt werden, hängt davon ab unter welchem Status du eingestellt wirst. In Russland gibt es 2 Arten von Fachkräften aus dem Ausland. Beide erläutern wir die unten näher.

Was brauche ich, um in Russland arbeiten zu können?

Um in Russland arbeiten zu können, musst du ein paar Dokumente mitbringen, und zwar:

  • ein Arbeitsvisum und eine Arbeitserlaubnis
  • ein Arbeitsvertrag
  • ein Nachweis von Landeskenntnissen
  • ein Nachweis über einen Aufenthaltsort

Insgesamt gibt es 2 Arten von Fachkräften. Einmal die Fachkräfte aus dem normalen Anstellungsverfahren und die hochqualifizierte Spezialisten (HQS).

Für das herkömmliche Anstellungsverfahren muss ein Nachweis über Kenntnisse der russischen Geschichte, Gesellschaft und Sprache vorlegt werden. Dieser Nachweis entfällt für Leute, die eine Hochschulbildung in Russland oder der ehemaligen Sowjetunion erhielten. Außerdem muss ärztlich das Fehlen von Geschlechtskrankheiten belegt werden.

Für manche Jobs, die nach Standardverfahren einstellen, wird zumeist oft eine Quote festgelegt. Bei der Migrationsbehörde musst du dich nach der Anknunft in einer Woche registrieren.

Der HQS – Status hängt vom Gehalt ab.

Die Quote und der Nachweis entfallen, wenn du nach den Regelungen für hochqualifizierte Spezialisten arbeiten kannst. Ab einem Einkommen von 167.000 Rubel, ca. 1.882 Euro, kannst du den HQS – Status beantragen.

Als HQS kannst du dich ohne Sprachkenntnisse vor allem bei deutschen Unternehmen bewerben. Die Geschäftssprache umfasst dann Deutsch und Englisch. Russisch muss nicht gesprochen werden können. Allerdings ist es ratsam, sich Russischkenntnisse anzueignen, um sich den Alltag zu vereinfachen.

Damit du ein Bild von beiden Arten der Anstellung hast, fassen wir dir kurz die Unterschiede zusammen. Unterschiede bestehen in den Zeiten und Ausgaben.

Standardverfahren:

  • 3 bis 4 Monate für die Ausstellung von Dokumenten
  • Arbeitsvisum und – erlaubnis für 1 Jahr
  • Frist der Migrationsregistrierung 7 Werktage ab Ankunft
  • Hohe Einkommensteuer
  • Sozialausgaben

HQS-Status:

  • Ausstellung von Dokumenten in 3 bis 4 Wochen
  • Gültigkeit für 3 Jahre
  • Registrierung in 30 oder 90 Werktagen ab Einreise
  • Geringere Einkommensteuer
  • Keine Sozialabgaben

Des Weiteren brauchst du ein Arbeitsvisum und eine Arbeitserlaubnis. Was für beides nötig ist, erklären wir dir unten genauer. Abschließend brauchst du ein Arbeitsvertrag, der nach russischen Recht geschlossen wurde, und einen Aufenthaltsort.

Wie finde ich in Russland einen Job?

Generell solltest du versuchen einen Job zu finden, bevor du nach Russland kommst. Die Jobsuche in Russland, vor allem ohne Sprachkenntnisse, kann sehr kompliziert werden. Persönliche Kontakte spielen in der Arbeitswelt Russlands eine große Rolle und ohne diese wird es schwer schnell einen Job vor Ort zu finden.

Du solltest am besten schon vor deiner Ankunft in Russalnd einen Job haben. Das erleichtert sich einiges. (Bildquelle: pixabay / betexion)

Am einfachsten ist es in Russland als Expat zu arbeiten. Ein Expat ist jemand, der von seiner Firma aus länger im Ausland tätig ist. Sobald du von einer Firma entsendet wirst, hast du automatisch eine Stelle. Das Gleiche gilt, wenn du von einer Firma eingeladen wirst.

Jobs kannst du sonst online bei mehreren Seiten finden. Dazu gehören:

  • russland.ahk.de
  • kimeta.de
  • iagora.com
  • xing.com

Wer keine Stelle hat, kann sich auch initiativ bei einem Unternehmen bewerben. Wer Initiative zeigt, zeigt Motivation. Zudem können die Ansprechpartner, nach persönlichem Kontakt bei der Bewerbung, als erste Kontakte angegeben werden. Persönliche Kontakte sind beim Finden von Jobs vom Vorteil.

Russland ist ein Sitz vieler deutscher Unternehmen, die nach qualifizierten Arbeitskräften aus dem eignen Land suchen. Neben russischen Unternehmen kannst du dich direkt dort bewerben. Dies ist vor allem empfehlenswert bei fehlenden Russischkenntnissen. Eine Liste von Unternehmen mit Sitz in Russland findest du bei der Außenhandelskammer (AHK) für Russland.

Zu den deutschen Unternehmen in Russland gehören z. B. :

  • DHL
  • Bayer
  • Haribo
  • Lufthansa
  • Bosch
  • Ritter Sport

Neben Unternehmen findest du auch Industrie – und Handelskammern, Institutionen von Bund und Ländern sowie Organisationen, bei denen du arbeiten kannst.

Wie sieht eine russische Bewerbung aus?

Da Russland der Sitz von Unternehmen aus aller Welt ist, richtet sich das Bewerbungsverfahren nach jeweiligen Standards in den Heimatländern der Unternehmen.

Bei russische Unternehmen genügt meist ein Anschreiben und der Lebenslauf. Zertifikate sind nur wichtig, wenn sie ausdrücklich gefordert werden.

Die Bewerbung ist vom jeweiligem Unternehmen abhängig.

Der Lebenslauf sollte knapp sein und Wert auf die bisherigen Erfahrungen legen. Das Bewerbungsfoto sollte professionell aussehen. Im Anschreiben sollten die Erfahrungen und persönlichen Kontakte genannt werden. Zudem kann das Anschreiben etwas ausführlicher sein als im Deutschen.

Das Vorstellungsgespräch ist ähnlich zum deutschen Verfahren. Du solltest auf ein gepflegtes Äußeres achten, höflich und pünktlich sein. Auf die richtige Wiedergabe von Namen und Titeln wird großer Wert gelegt. Es kann passieren, dass während des Gesprächs nicht viel gelächelt wird.

Wenn du dich bei deutschen Unternehmen bewirbst, verfährt das Bewerbungsverfahren nach deutschen Standards. Meist musst du für Stellen bei deutschen Arbeitgebern kein Russisch sprechen können. Dennoch sind Kenntnisse der Sprache vom Vorteil.

Wie viel verdient man in Russland?

Das durchschnittliche Einkommen und der Mindestlohn liegen unter den Schnitt Deutschlands. Der Verdienst variiert stark nach Region und Branche. Am besten verdient man in Großstädten sowie im Norden des Landes.

Das durchschnittliche Lohnniveau ist in Russland etwas niedriger als in Deutschland. (Bildquelle: 123rf / Anuchit Singkham)

Der monatliche Mindestlohn in Russland liegt bei 5.965 Rubel, also etwa 67 Euro, und wird zweimal monatlich ausgezahlt. Festlegt wird er für jeden gesondert. Je nach Qualifikation des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber auch mehr bezahlen. Zudem variiert der Lohn nach Standort. In Moskau bekommst du rund 16.500 Rubel, ca. 185 Euro, als Mindeststandard.

2019 haben Arbeitnehmer in Russland im Durchschnitt 632 Euro verdient. Leben kannst du von dem Gehalt dennoch. Das Existenzminimum liegt bei ungefähr 12.421 Rubel, ca. 140 Euro, pro Monat.

Als ausländischer Arbeitnehmer verdienst du in Russland über den Durchschnitt.

Expats verdienen in Moskau durchschnittlich etwa 1.400 Euro. HQS verdienen geschätzt ca. 7.048 Euro. Der Mindestlohn für HQS liegt bei 167.000 Rubel, ungefähr 1.882 Euro.

Ausgezahlt wird der Lohn in Rubel an russische Konten. Du solltest daher vor Ort ein Bankkonto für Rubel und eins für Euro eröffnen. Somit kannst du dir dein Gehalt in Euro an Banken in Deutschland weiterleiten.

Welche Steuern und Versicherungen muss ich in Russland zahlen?

Steuern werden durch die Arbeitgeber bezahlt. Die Höhe der Steuern hängt davon ab, ob man den Standard eines normalen Arbeitnehmers oder eines hochqualifizierten Spezialisten innehat. Spezialisten haben weniger Steuerausgaben als normale Arbeiter.

Wir stellen dir die Unterschiede kurz vor.

  • Einkommensteuer: Standardverfahren – 30 Prozent / HQS – 13 Prozent
  • Sozialausgaben: Standardverfahren – 30 Prozent / HQS – Keine

Arbeiter aus den Standardverfahren unterstehen dem Grundsatz der Steuerresidentschaft. Die daraus erfolgende Besteuerung von 30 Prozent kommt zustande, falls du dich im vorherigen Jahr weniger als 183 Tage in Russland aufgehalten hast. Die Einkommensteuer entfällt, wenn du weniger als 183 Tage in Russland bist und dein Gehalt von einem deutschen Arbeitgeber bezahlt wird.

Neben dem HQS – Status hat zudem der Wohnsitz Einfluss auf die Einkommensteuer. Wer in Russland arbeitet, aber in Deutschland lebt, muss 30 Prozent zahlen. Wer in Russland ansässig ist, kann auf 13 Prozent runterkommen.

Wenn du in Russland Gehalt bekommst, aber in Deutschland deinen Wohnsitz hast, bleibst du in Deutschland steuerpflichtig (§ 1 EStG).

Die Sozialversicherungen werden für Angestellte des Standardverfahrens von den Unternehmen getragen. Einen Arbeitnehmerbeitrag gibt es nicht. Die Beiträge sind mit 30 Prozent behaftet und in 3 Teile aufgespalten:

  • 2,9 Prozent Sozialversicherungsfonds
  • 5,1 Prozent Medizinversicherungsfonds
  • 22 Prozent Rentenpflichtversicherung

Dazu gibt es eine Betriebsunfallversicherung, die mit Beiträgen von 0,2 bis 8,5 Prozent versehen ist.

Hochqualifizierte Spezialisten sind nicht durch Sozialversicherungen abgesichert. Der Arbeitgeber steuert nur Beiträge zur Unfallversicherung bei.

Wie bekomme ich ein Visum und eine Arbeitserlaubnis für Russland?

Um in Russland zu arbeiten, brauchst du ein Visum und eine Arbeitserlaubnis. Beides kannst du bei der russischen Botschaft in Berlin beantragen. Für ein Visum brauchst du mehrere Dokumente und zwar:

  • Reisepass
  • Ausgedruckter und unterschriebener Visumantrag
  • 3,5 x 4,5 cm großes Passbild auf dem Visumantrag
  • Einladung bzw. Reisebestätigung
  • Krankenversicherungsnachweis

Dein Reisepass sollte noch 6 Monate nach deinem Aufenthalt gültig sein und 2 leere Seiten für das Visum vorweisen. Zudem brauchst du dein Originalreisepass, da Kopien nicht angenommen werden. Den Visumantrag kannst du auf visa.kdmid.ru, einer Website des Auswärtigen Amtes der Russischen Föderation, beantragen. Der Antrag wird wahrheitsgemäß und vollständig ausgefüllt.

Seit 2010 musst du eine Reisebestätigung für das Einreisen als Arbeitnehmer vorlegen. Die Reisebestätigung muss die Entsendung nach Russland, das monatliche Gehalt und die Position innerhalb der Firma beinhalten. Zudem erfolgt die Bestätigung auf unternehmeneignen Papier. Eine schriftliche Einladung der Industrie – und Handelskammer Russlands oder eine förmliche Einladung des russischen Innenministeriums gelten als Einladung.

Für ein Visum, dass über 90 Tage hinausgeht, brauchst du einen negativen HIV – Test.

Die Bearbeitungsgebühr des Visums beträgt für deutsche Staatsbürger 35 Euro. Wenn du dein Antrag aber erst kurzfristig, sprich 3 Tage oder weniger, vor deiner Abreise einreichst, kostest ein Visum 70 Euro. Bearbeitet wird das Visum innerhalb von 10 Tagen.

Je nach der Häufigkeit der Einreise gibt es unterschiedliche Arten von Arbeitsvisa. Wir haben dir die 3 Arten zusammengefasst.

  • 1 Einreise: maximal 90 Tage
  • 2 Einreise: insgesamt maximal 90 Tage
  • Mehr als 2 Einreisende: bis zu 3 Jahre

Der Antrag wird vom russischen Visazentrum in Berlin bearbeitet. Er wird dort abgeben und der Pass wird ebenfalls dort abgeholt. Abgeben kannst du deinen Antrag nach vorheriger Terminvereinbarung online.

Ein Geschäftsvisum unterscheidet sich vom Arbeitsvisum. (Bildquelle: pixabay / StartupStockPhotos)

Wer geschäftlich reist, kann für bestimmte Gebiete elektronische Visa beantragen. Diese müssen spätestens 4 Tage vor Abreise ausgefüllt und mit digitalem Passbild versehen sein. Die Gültigkeit dieser Visa beträgt 30 Tage ab Ausstellung und die Aufenthaltsdauer in Russland umfasst 8 Tage.

Neben dem Arbeitsvisum brauchst du auch eine Arbeitserlaubnis. Die Arbeitserlaubnis bekommst du durch deinen Arbeitgeber. Gültig ist sie entweder für 1 Jahr oder für drei Jahre bei HQS – Status. Nach Ablauf der Erlaubnis muss eine Erneuerung dieser beantragt werden.

Eine Krankenversicherung ist bei Einreisen in Russland ebenfalls Pflicht. Die Krankenversicherung muss von einer Versicherungsfirma ausgestellt werden, die in Russland anerkannt wird. Eine fehlende Krankenversicherung während des Aufenthalts kann zur Kündigung führen.

Wie ist die Arbeitsmoral in Russland?

Die russische Arbeitsmoral wird oft als faul wahrgenommen. Gearbeitet wird nur was nötig ist. In dieser Annahme steckt ein Fünkchen Wahrheit. In Russland werden ungern Überstunden gemacht und es kann passieren, dass Aufgaben aufgeschoben werden. Auch Vorschriften und Regeln werden nicht immer ganz ernst genommen.

Allerdings heißt das nicht, dass Leute in Russland nicht effektiv arbeiten können. Die Organisation ist einfach anders. In dieser Hinsicht besteht wahrscheinlich erstmal Gewöhnungsbedarf, aber hast du dich erstmal eingelebt, wirst du die entspannten Seiten zu schätzen wissen.

Ein eigenes Netzwerk ist ein Muss.

In der russischen Arbeitswelt wird viel Wert auf persönliche Beziehungen gelegt. Diese informellen Netzwerke helfen dabei Geschäftspartner kennenzulernen oder die Wartezeiten in der Bürokratie zu umgehen.

Zudem wirst du erst durch dein Netzwerk richtig in die Arbeitswelt eingebunden. Da auf seine Kontakte zudem Verlass sein soll, ist es ein Zeichen des Vertrauens, eingebunden zu werden. Dies fördert wiederum auch die Zusammenarbeit, die ohne Vertrauen nicht funktioniert.

Das Arbeitsklima in Russland basiert stark auf Teamarbeit. Hierarchische Positionen solltest du aber nicht außer Acht lassen. Neben dem Kollektiv spielen auch Prestige und Tradition in die Arbeitsmoral Russlands ein.

Wissenswertes zum Wohnen in Russland

Die Wohnungssuche in Russland kann schwierig werden. Vor allem in den Großstädten herrscht oft Wohnungsmangel. Zudem kannst du ohne Sprachkenntnisse schnell reingelegt werden.

Die meisten Wohnungen sind Ein – oder Zweizimmer Wohnungen. Oft bekommst du Zimmer in Hochhäusern. Alternativ kannst du auch in eine Kommunalka, eine sogenannte Gemeinschaftswohnung, ziehen, wo du dann mit mehreren zusammenlebst.

Bei der Wohnungssuche zeigen sich die Vorteile von Netzwerken.

Kollegen und Freunde können dir dabei helfen eine Wohnung zu finden und dich bei Sprachbarrieren unterstützen. Sie können dir auch Ratschläge und Empfehlungen geben. Da es passieren kann, dass Vermieter lieber auf Einheimnische setzen, bekommst du durch deine Kontakte einen kleinen Vertrauensbonus.

Da es möglich ist, dass Leute dich bei der Wohnungssuche reinlegen wollen, solltest du besonders bei Online –  Angeboten aufpassen. Manchmal stehen Wohnungen zur Anzeige, die dann schon als verkauft gelten, wodurch du an andere Angebote weitergeleitet werden sollst. Von Angeboten, wo du für die Wohnungsbesichtigung zahlen solltest, ist abzuraten.

Wer noch niemanden kennt, kann sich online Hilfe suchen bei Facebook – Gruppen, wie:

  • Moscow Expats Housing
  • Flat for Friends
  • Rent Room in Moscow

Für das Wohnungssuchen empfehlen sich vor allem russische Seiten. Dazu gehören:

  • Cian.ru
  • Irr.ru
  • Avito. ru

Die Miete bezahlst du monatlich entweder bar oder per Überweisung. Dies bleibt deinen Mieter überlassen. Für ein wenig Sicherheit lohnt es sich die Absprache mit dem Mieter schriftlich bestätigen zu lassen, weil es unter Umständen keinen Mietvertrag gibt. Mündliche Absprachen haben normalerweise Vorrang. Außerdem musst du beim Einzug zweimal Miete zahlen. Einmal regulär und einmal als Kaution.

Sobald du eine Wohnung hast, musst du daran denken, deinen Aufenthaltsort bei der Migrationsbehörde registrieren zu lassen.

Wie teuer ist das Leben in Russland?

Wenn du in den Ballungsräumen, wie Moskau und St. Petersburg, arbeitest, sind die Lebenshaltungskosten recht hoch. Moskau gehört z.B. zu den teuersten Städten Europas.

Die Kosten zum Leben sind im Endeffekt individuell. Generell lässt sich sagen, dass das Stadtleben teurer ist das Leben als außerhalb. So zahlst du in Moskau je nach Lage und Anzahl der Mitbewohner zwischen 30.000 bis 116.000 Rubel, also ca. 338 bis 1.307 Euro, Miete pro Monat.

Die Mobilitätskosten variieren ebenfalls. Da die Infrastruktur mancherorts nicht ganz ausgebaut ist, lohnt es sich eher mit der Metro als mit dem Auto zu fahren. Eine Fahrt mit der Metro kostest weniger als 1 Euro. Für ca. 23 Euro, also 2.075 Rubel, kannst du mit einer Monatskarte unbegrenzt mit der Metro fahren.

Die Metro hat zudem dem Vorteil, dass du die einzigartige Architektur bewundern kannst. Die Metro ist eine der Sehenswürdigkeiten Russlands. Als Verkehrsmittel ist sie außerdem sehr preiswert (Bildquelle: Peter H / Pixabay).

Nutzen kannst du die Metro allerdings nicht den ganzen Tag. In den Nachtstunden musst du auf andere Verkehrsmittel umsteigen.

Für Krankheitsfälle kannst du auf deine Krankenversicherung zurückgreifen. Bezahlt wird diese von deinen Gehalt durch deinen Arbeitsgeber. Sonstige Kosten fallen nur an, wenn du dich privat versicherst oder bestimmte Medikamente und Behandlungen brauchst.

Lebensmittel kannst du dir entweder im Supermarkt oder auf Märkten kaufen. Supermärkte sind leicht zu finden und die Preise sind ähnlich zu denen in Deutschland. Importiere Waren kosten dort mehr als regionale. Auf dem Markt ist es in der Regel ebenfalls recht preiswert. In Restaurants kannst du ab umgerechnet 10 Euro essen gehen. Es geht aber schnell nach oben, wenn du dir ein Luxusrestaurant aussuchst.

Vor allem die Großstädte haben viele Freizeitangebote. Von Kinos über Partys zu Museen ist alles vorhanden. Ein Tipp hierbei ist möglichst im Voraus Tickets zu kaufen, da diese günstiger sind. Für Kinos, Clubs und Bars kannst du ab 300 Rubel, ca. 3,38 Euro, etwas finden. Die Preise hängen von der Tageszeit ab. Zudem musst du als Tourist bei Clubs manchmal mehr bezahlen. Konzerte und Theater fangen ab ca. 3.000 Rubel, etwa 34 Euro, an.

Die Höhe der Lebenshaltungskosten hängt von der Wertlage des Rubels ab.

Je mehr du von den Zentren weg kommst, desto weniger musst du zahlen, aber desto weniger verdienst du auch. Alles im Allem lässt sich von dem Gehalt, dass du als ausländische Fachkraft bekommst, leben.

Arbeiten in Russland: Diese Jobs und Arbeitsfelder sind besonders gefragt

Russland hat einen großen Arbeitsmarkt und dementsprechend viele Jobmöglichkeiten. Es gibt aber auch Bereiche, bei denen Fachkräfte besonders gefragt sind. Da die russische Bevölkerung demographisch älter wird, werden ausländische Arbeitskräfte gebraucht. Als solche landest du meist in den besser bezahlten Berufen.

Versicherungs – und Finanzwesen

Seit einigen Jahren gehören Arbeitnehmer aus diesem Bereich zu den Top – Verdienern des Landes und dieser Trend hält an. Egal ob du in der Bank oder in einer Versicherungsfirmen tätig bist, verdienen wirst du im Durchschnitt ein paar Tausend Euro im Monat. Zwischen Versicherungs – und Finanzwesen bestehen im Gehalt nur geringe Unterschiede von ein paar Cents.

IT –  Branche

Die IT –  Branche erfährt einen starken Wachstum in Russland und gehört zu den best bezahltesten Branchen. IT –  Fachkräfte sind stark nachgefragt und die Nachfrage wird im Zeitalter der Digitalisierung nicht schwinden. Vor allem Programmierer, Datenanalysten und Techniker sind gefragt.

Es ist empfehlenswert, wenn du in diesen Bereich deine Kenntnisse mit Zertifikaten belegen kannst. Da in diesen Bereich Fachkräftemangel herrscht, hast du gute Aussichten einen passenden Job zu finden.

Logistik und Vertrieb

Die Infrastruktur Russlands ist an vielen Orten nicht komplett ausgebaut. Nichtsdestotrotz ist dieses Arbeitsfeld gefragt. Der größte Verkehrsknotenpunkt Russlands liegt in St. Petersburg und verfügt über mehrere Häfen, Flughäfen und Bahnhöfe. Auch wenn die Infrastruktur zu Wünschen übrig lässt, wird in diesen Bereich stark investiert und Fachkräfte werden stark nachgefragt.

St. Petersburg ist ein wichtiger Verkehrspunkt Russland, der sich durch eine gute Infrastruktur auszeichnet. Ein Teil davon sind mehrere Häfen (Bildquelle: Elina Sazonova / Pexels).

Dieser Arbeitsbereich zeichnet sich durch Flexibilität der Auftragsausführung aus. Zwar kann es an Zollstationen mit Schmiergeld zu gehen, aber auch legal kannst du dort gut arbeiten.

Ingenieur

Oft gefragt sind Ingenieure im Maschinenbau und Elektrotechnik. Aber auch Wirtschaftsingenieure oder Mechatroniker finden schnell Arbeit. In Russland gibt es viele multinationale Unternehmen, die nach qualifizierten Ingenieuren suchen. St. Petersburg stellt dabei z. B. eine Anlaufstelle für Ingenieure in der Automobilbranche dar.

Um als Ingenieur in Russland zu arbeiten, können Sprachkenntnisse eine Voraussetzung sein. Allerdings gilt das für deutsche Unternehmen, die in diesen Bereich oft vertreten sind, meist nicht.

Management

Manager, vor allem aus dem Ausland, sind stark gefragt und gut bezahlt. Als Expat hast du in diesen Bereich HQS – Status. Des Weiteren sind Arbeitserfahrungen in Russland auch anderorts gern gesehen. Der Aufenthalt in Russland kann Türen zu hohen Führungsposten öffnen. Allerdings wirst du in Russland meistens mehr zu tun haben als deine Kollegen woanders.

Ölförderung und Ölraffinerie

Die Ölbranche spielt eine zentrale Rolle in der russischen Wirtschaft. Sie ist ein Exportschlager Russlands und trägt bedeutend zum Staatseinkommen bei. Wer mit Öl arbeitet, steht ebenfalls im höheren Einkommensbereich. Im Durchschnitt verdienst du um die 2.000 Euro. Das Gehalt variiert je nach Standort. Aufgrund des nicht mehr steigenden Ölpreises und der langsam ausgeschöpften Reserven, ist dieser Bereich auf lange Sicht aber nicht nachhaltig.

Fazit

Als ausländischer Arbeitnehmer genießt du finanzielle Vorteile und hast gute Aufstiegsmöglichkeiten, besonders als hochqualifizierter Spezialist. Am einfachsten kommst du als Expat nach Russland und findest meist Arbeit in Moskau oder St. Petersburg. Verdienen tust du zwar weniger als in Deutschland, aber davon kannst du für russische Verhältnisse gut leben.

In Russland zu arbeiten bietet viele zukünftige Jobchancen in hohen Positionen und die Auslandserfahrung macht sich gut auf deinen Lebenslauf. Die russische Arbeitsmoral ist ein bisschen entspannter als in Deutschland, auch wenn es viel Bürokratie gibt. Besonders wertvoll können sich in deinen Berufsleben vor allem die erworbenen Networking – Skills auszahlen.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] https://russland.ahk.de/personal-ausbildung/arbeitserlaubnisse-visa [2] https://russische-botschaft.ru/de/consulate/visafragen/ [3] https://www.cbbl-lawyers.de/russland/arbeitsrecht-in-russland/einleitung-zum-arbeitsrecht-in-russland/ [4] https://lidenz.ru/de/leben-in-moskau/ [5] https://www.russlandjournal.de/russland/sankt-petersburg/sankt-petersburg-als-wirtschaftsstandort/ [6] https://www.iww.de/pistb/schwerpunktthema/grenzueberschreitende-arbeitnehmertaetigkeit-steuerrechtliche-betrachtung-von-mitarbeiterentsendungen-nach-russland-f48913 [7] https://www.oaoev.de/de/russische-foderation [8] https://de.rbth.com/wirtschaft/82077-wie-viel-verdient-durchschnittsrusse [9] https://de.rbth.com/wirtschaft/82857-welche-berufe-russland-am-besten-bezahlt [10] https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/russischefoederation-node/russischefoederationsicherheit/201536

Bildquelle: unsplash / Anastasiya Romanova

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