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Glossar

Freemium

Egal ob Spotify, Fortnite oder Candy Crush – das Freemium-Geschäftsmodell ist nicht nur unter den Software-Großverdienern in aller Munde. Mit einem Freemium-Konzept lässt sich gehörig Umsatz schaffen, obwohl das angebotene Produkt den Kunden an sich nichts kostet. Wie das funktionieren soll?

So genial, wie einfach: Das Unternehmen bietet sein Produkt kostenlos an, spendiert dem Nutzer aber verbesserte Funktionen und mehr Umfang, wenn er entsprechend mehr Geld in das Produkt investiert. Im folgenden Glossareintrag erfährst du alles über Freemium 2021 als attraktives Geschäftsmodell.

Das Wichtigste in Kürze

  • Freemium ist der Name für ein Geschäftsmodell, bei dem die Nutzer eine voll funktionsfähiges Produkts unter Einschränkungen kostenlos nutzen können.
  • Investieren die Kunden mehr Geld in das Produkt, bekommen sie dafür umfangreichere Leistungen – etwa die Abschaltung von Werbung oder Zusatzfunktionen.
  • Immer mehr Unternehmen steigen auf ein Freemium-Modell um, um potenzielle Kunden zu gewinnen, die nach erfolgreicher Anwerbung auf lange Sicht mehr Geld bringen.

Glossareintrag: Der Begriff Freemium im Detail erklärt

Um dich über Freemium rundum informieren zu können, haben wir für dich die wichtigsten und häufigsten Fragen zum Thema herausgesucht und in den folgenden Absätzen ausführlich beantwortet. So bist perfekt informiert, wenn du dich entscheiden solltest, ein Freemium-Angebot in Anspruch zu nehmen oder eines zur Verfügung zu stellen.

Was bedeutet “Freemium”?

Die Wortneuschöpfung „Freemium“ kombiniert die englischen Wörter „Free“ und „Premium“. Dabei handelt es sich um ein neuartiges Geschäftsmodell, welches vor allem Software-Unternehmen oder App-Entwickler wie Adobe, Spotify oder WordPress nutzen. (1)

Gerade Musikstreamingdienste setzen auf das Freemium-Modell. (Bildquelle: Sammy Williams / Pixabay)

Bei Freemium ist der Name Programm: Unternehmen bieten ihr Produkt in einer voll funktionsfähigen Basisvariante kostenlos an. Gleichzeitig bieten sie dem Kunden die Option, durch Echtgeldtransaktionen zusätzliche Erweiterungen freizuschalten oder die komplette Version des Produktes zu kaufen. (2)

Wie funktioniert das Freemium-Geschäftsmodell genau?

Im Konkreten funktioniert das Freemium-Geschäftsmodell so, dass der Kunde eine voll funktionsfähige, aber nicht komplette Variante des Produktes kostenlos nutzen kann.

Dieses Prinzip ist im folgenden Beispiel näher erklärt:

  1. Gratis-Version: Max installiert kostenlos eine App auf dem Smartphone, mit der er unendlich lange Musik streamen kann. Benutzt Max die App, wird jedoch visuell oder akustisch hin und wieder Werbung eingeblendet. Zudem wird ihm die Funktion verwehrt, Playlists herunterladen zu können, um diese ohne Internet trotzdem anhören zu können.
  2. Premium-Version: Da Max der Musikdienst im Grunde aber gefällt, entscheidet er sich nach seiner Testphase dafür, die Premium-Version der App zu kaufen. Hierzu zahlt er dem Unternehmen monatlich einen bestimmten Betrag und darf dafür den Musikdienst vollumfänglich nutzen. Desweiteren bekommt Max keine Werbung mehr zu sehen und zu hören.
  3. Abonnement-Funktion: Möchte Max den Musikstreamingdienst nicht mehr zahlen, kündigt er sein monatliches Abonnement und kann wieder die simplere, aber kostenfreie Version der App nutzen.

Sicher fragst du dich jetzt, was das Ziel dieser Verkaufsstrategie ist, wenn Max beziehungsweise der Kunde das Geschäftsverhältnis jederzeit beenden kann.

Was ist das Ziel der Freemium-Strategie?

Das Ziel des Freemium-Businessmodells ist in erster Linie, interessierte Nutzer mit einer kostenfreien Version “anzulocken” und diese mit exklusiven Premium-Vorteilen anschließend zu binden.

Freemium funktioniert nur, wenn das Basisprodukt ausreichend Gefallen findet.

Dieses Prinzip funktioniert nur dann, wenn durch das kostenlose Angebot genügend potenzielle Kunden Gefallen am Produkt oder Service finden. Ist dies der Fall, singt bei den Nutzern die Hemmschwelle dafür, für mehr Leistung auch mehr Geld in das Produkt zu investieren. (3)

Da die Kunden erst “überredet” werden müssen, muss das Produkt oder die Software auch in der Gratis-Version unbedingt ausreichend Anreize mitbringen. Ist die App beispielsweise nur sehr eingeschränkt nutzbar, werden sich die Nutzer bald nach einer anderen, besseren App umschauen.

Sind die Kunden jedoch einmal an eine App gebunden, werden sie nur schwer wieder zu einer Konkurrenz-App wechseln wollen, da sie sich “eingelebt” haben.

Wie unterscheidet sich das Freemium-Konzept von anderen Geschäftsmodellen?

Die Idee, einen Teil seines Produktes oder gleich das ganze Produkt kostenlos anzubieten, ist nicht neu. Mit der Zeit haben sich verschiedene Geschäftsmodelle herausgebildet, die je nach Software und Produkt zum Einsatz kommen können.

Sicher hast du von einem der folgenden Geschäftsmodelle schon etwas gehört:

  • Trial-Modell: Ein Trial, zu Deutsch Versuch, ist die kostenlose Vollversion eines Programms, das zu Demonstrationszwecken jedoch nur zeitlich begrenzt nutzbar ist – etwa 30 Tage. Willst du das Produkt weiterhin nutzen, musst du den vollen Preis bezahlen.
  • Shareware-Modell: Als Shareware bezeichnet man die abgespeckte, aber dafür kostenlose Version eines Produktes oder einer Software. Die Vollversion hingegen ist kostenpflichtig und bietet weitaus mehr Umfang und Funktionen.
  • Freeware-Modell: Ein Produkt oder eine Software, welches als Freeware vertrieben wird, kann von Nutzern vollumfänglich kostenfrei genutzt werden. Oft wird die Möglichkeit angeboten, dem Hersteller oder Entwickler Geld zu spenden und ihn somit bei der (Weiter-)Entwicklung der Software zu unterstützen.
  • Freemium- oder Free-To-Play-Modell: Bei einem Freemium-Produkt ist die kostenlose, aber voll funktionsfähige Version zeitlich unbegrenzt verfügbar. Für zusätzliche Funktionen sowie Dienste und inhaltliche Erweiterungen muss der Nutzer jedoch Geld zahlen – oft einen festen Monatsbetrag. In der Computer-, wie Smartphonespielbranche nennt sich dieses Konzept “Free-To-Play”. (4)

Häufig werden Mischformen aus den genannten Geschäftsmodellen angeboten. Eine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen Strategien ist deshalb oft nicht möglich.

Was kann alles auf Freemium-Basis genutzt werden?

Mittlerweile werden zahlreiche Produkte, Programme, Softwares, Apps und Dienste auf Freemium-Basis vertrieben. Im Folgenden siehst du eine Übersicht, was du alles als Freemium-Produkt nutzen kannst.

  • Computer-Software: PC-Software, Browsererweiterungen, Bild-, Ton- und Videobearbeitungsprogramme, PC-Spiele
  • Smartphone-Apps: Video- und Musikstreamingdienste, Smartphone-Spiele, Applikationen
  • Online-Ressourcen: Zeitungen, Magazine und Zeitschriften
  • Hardware: Fernsehen und Elektronikgeräte, wie Smartphones, Tablets, e-Reader oder smarte Lautsprecher

Meist haben die einfachen Versionen nur viele Werbeeinblendungen und du zahlst einmalig für deren Abschaltung, etwa auf den Online-Seiten von Zeitungen oder manchen Apps.

Komplexer wird es, wenn die Premium-Version dir handfeste Vorteile bietet, etwa eine Offline-Nutzung oder mehr Inhalte als der normale Nutzer, etwa beim beliebten Plus-Modell der Zeitungen.

Dabei werden manche Artikel mit besonderen Hintergrundinfos absichtlich nur teil- oder seitenweise zum Lesen verfügbar gemacht. Wer mehr wissen will, muss also bezahlen. Allgemeinwissen bleibt jedoch frei zugänglich. (5)

Nachfolgend siehst du eine kleine Aufstellung, welche Optionen ein Unternehmen hat, das Freemium-Produkt zu einem Premium-Produkt zu erweitern:

  • Werbung: Oft sind Software-Produkte mit Werbung finanziert. Wenn du diese abschalten möchtest, musst du zahlen. Gerade im Musikstreamingbereich und den Smartphonespielen wird dieses Prinzip angewendet.
  • Service: Manche Produkte und Softwares werben mit einem besseren Support und Service, wenn du Geld für eine Premium-Version zahlst. Premium-Kunden werden dann bei Kundenfragen an den Support priorisiert behandelt.
  • Zielgruppe: Einige Services unterscheiden zwischen Privatpersonen, die das Angebot kostenlos nutzen dürfen, und Unternehmen, die für die Dienste etwa zahlen müssen. Die Unternehmen erhalten dafür aber auch einen besseren Support und individuell angepasste Funktionen.
  • Features: Viele Dienste funktionieren so, dass sie im Grunde für den eigentlichen Zweck ausreichend auch kostenlos genutzt werden können. Mit einer Premium-Version kannst du jedoch zusätzliche Funktionen freischalten, die dir mehr Vielfalt oder Komfort geben, oder dich gezielt von anderen Nutzern abheben, etwa in dem du dein Profil mit noch mehr nützlichen Informationen füllen darfst. (6)
  • Speicher: Gerade bei Cloud-Diensten wird mit mehr Speicherplatz geworben, wer mehr Geld in die Hand nimmt. Nutzt du einen Cloud-Dienst ausführlich, wirst du mit deinem verfügbaren Speicher irgendwann an eine Grenze kommen. Da hilft dann nur zahlen oder zu einem anderen Dienst ausweichen.
  • Nutzer: Manche Softwares und Apps sind darauf ausgelegt, dass mehrere Nutzer zugleich eine Lizenz nutzen dürfen. Diese Zahl ist jedoch beschränkt. Wer die Lizenz mehreren Nutzern geben will, muss mehr zahlen.
  • Exklusive Vorteile: Premium-Nutzer können die Chance bekommen, Zugriff auf exklusive Inhalte zu bekommen, manchmal auch vor allen anderen Nutzern. Dies ist beispielsweise bei manchen Videostreamingdiensten zu beobachten, die sogenannte “Exclusives” anbieten. Oder du erhältst statt dem normalen SD-Fernsehen, alle Kanäle in HD.

Bei der großen Menge an Freemium-Produkten, wunderst du dich sicher, was dir ein Freemium-Account für Vorteile bringen kann. Lies dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Welche Vor- und Nachteile hat das Freemium-Modell für den Nutzer?

Damit wären wir auch schon bei den Vor- und Nachteilen, die ein Freemium-Modell für dich als Nutzer mit sich bringen kann. Diese liegen dabei auf der Hand und leiten sich vom Geschäftsmodell ab.

Vorteile:

  • Die Software kann kostenlos ausprobiert werden.
  • Die Software ist zeitlich unbegrenzt kostenlos nutzbar.
  • Deine Abonnements sind leicht kündbar.

Nachteile:

  • Zusätzliche Funktionen kosten dich (monatlich) Geld.
  • Premium-Funktionen sind damit nur zeitlich begrenzt pro Zahlung nutzbar.
  • Du bist im Nachteil gegenüber zahlenden Nutzern.

Da du mit einem Freemium-Konto jedoch kein Geld investieren musst, ist dieses Modell der ideale Weg, dich erst von einem Produkt überzeugen zu können, bevor du es kaufst. Das einzige, was du dafür hergeben musst, sind deine Daten.

Welche Vor- und Nachteile hat das Freemium-Modell für das Unternehmen?

So wie es Vor- und Nachteile für den Nutzer gibt, hat auch das anbietende Unternehmen verschiedene Vor- und Nachteile.

Vorteile:

  • Die Hemmschwelle, Geld auszugeben, sinkt aufgrund der kostenlosen Basisversion.
  • Die Auswertung des Nutzerverhaltens kann zeigen, wie das Angebot optimiert werden kann, sodass das Produkt noch mehr Gefallen bei Nutzern findet.
  • Auch Freemium-Konten lassen sich beispielsweise durch Werbung monetarisieren, sodass das Unternehmen doppelt verdient.

Nachteile:

  • Kunden können jederzeit wieder abspringen, wenn das Unternehmen sein Produkt verschlimmbessert
  • Die Konkurrenz ist groß und das Produkt muss einen echten Mehrwert für die Nutzer bringen.
  • Zu viel Einschränkungen oder Werbeeinblendungen in der Basisversion können Nutzer abschrecken, zu wenig Einschränkungen halten den Anreiz zum Wechsel auf die Premium-Version gering.

Trotz den Nachteilen überwiegen die Vorteile für ein Unternehmen deutlich, so dass das Freemium-Geschäftsmodell auch in Zukunft weit verbreitet sein wird. Mit monatlichen Abonnements verdient ein Unternehmen zudem grundsätzlich mehr Geld, da die Kunden nicht nur einmal für ein Produkt zahlen – sondern immer wieder aufs neue Geld dafür ausgeben.

Fazit

Das Freemium-Geschäftsmodell bietet beiden Seiten große Vorteile: Der Nutzer erfreut sich einer kostenlosen Testversion und spart sich erstmal Geld, bevor er das Produkt kauft. Die Unternehmen binden bei einem guten Produkt zahlreiche Kunden an sich und können immer wieder an diesen verdienen.

Durch dieses Prinzip konnte das Freemium-Modell erst so erfolgreich werden, wie es heute ist. Sicher wird auch in Zukunft vermehrt auf diese profitable Strategie gesetzt und alte Geschäftsmodelle werden nach und nach davon abgelöst werden.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] https://avc.com/2006/03/the_freemium_bu/ [2] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/freemium-53522/version-276605 [3] https://www.businessinsider.de/gruenderszene/lexikon/begriffe/freemium/ [4] https://www.macerkopf.de/2013/03/30/in-app-kaeufe-von-freemium-apps-fuer-71-prozent-der-iphone-app-umsaetze-verantwortlich/ [5] https://web.archive.org/web/20131217224543/http://www.bdzv.de/aktuell/pressemitteilungen/artikel/detail/bdzv_studie_paid_content_online_abo_kostet_durchschnittlich_acht_euro/ [6] https://stadt-bremerhaven.de/spotify-stellt-neues-freemium-modell-und-verbesserte-kompression-vor/

Bildquelle: William Iven / unsplash

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