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Freie Mitarbeit

Die Arbeit als Freelancer wird immer mehr zum Traum vor allem junger Menschen (1). Flexibles Arbeiten von überall auf der Welt, der eigene Chef sein und nur die Aufträge annehmen, die wirklich interessant sind. Natürlich kann es so kommen. Doch was in der Theorie toll klingt, ist in der Praxis nicht immer einfach. Fehlende Aufträge und hohe Sozialabgaben können genauso zum Alltag eines Freelancers gehören.

Was genau die Arbeit eines freien Mitarbeiters ausmacht, welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt und wo Vorsicht geboten ist, wird in diesem Glossarbeitrag zum Thema Freie Mitarbeit 2020 erläutert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Freie Mitarbeiter sind nicht fest bei einem Unternehmen angestellt und dort auch nicht weisungsgebunden, sondern werden für ein bestimmtes Projekt oder einen kurzen Zeitraum von einem Arbeitgeber eingestellt.
  • Sie erhalten einen speziellen Vertrag, im dem Aufgaben, Zeit und Honorar genau festgelegt werden. Dabei sollte immer Zeit für mehr als einen Arbeitgeber bleiben, da ansonsten der Verdacht auf Scheinselbstständigkeit besteht.
  • Freie Mitarbeiter sind sehr flexibel, können jederzeit von überall arbeiten und ihren Lohn selbst festlegen. Doch müssen sie auch eine hohe Selbstdisziplin aufweisen und ihr Kosten selbst tragen.

Glossareintrag: Der Begriff Freie Mitarbeit im Detail erklärt

Was genau freie Mitarbeiter sind, wie sie sich von anderen Angestellten abgrenzen und was die Vor- und Nachteile dieser Berufsform sind und wo Vorsicht geboten ist, wird im Folgenden erläutert.

Was ist Freie Mitarbeit?

Ein freier Mitarbeiter, oder auch Freelancer, ist, im Gegensatz zu einem Angestellten, nicht durch einen Arbeitsvertrag fest bei einem Unternehmen angestellt. Stattdessen erhalten sie einen Werks-, Dienst- oder Honorarvertrag über eine bestimmte Zeit, in dem Rechte, Pflichten, Aufgaben und Bezüge genau geregelt sind.

Freie Mitarbeiter sind nicht fest angestellt und nicht weisungsgebunden. Sie können mehrere Arbeitgeber gleichzeitig haben.

Ein freier Mitarbeiter ist also nicht weisungsgebunden und kann sich seine Arbeit, seinen Tagesablauf und seine Zeit selbst einteilen. Auch beim Finanzamt sind freie Mitarbeiter als Selbstständig gemeldet. Das alles bedeutet einerseits eine große Freiheit, andererseits aber auch viel Eigenverantwortung und Disziplin.

Da ein freier Mitarbeiter nicht in einem bestimmten Unternehmen vertraglich angestellt ist, wird er dort auch nicht als Mitarbeiter eingegliedert. Er arbeitet nicht vor Ort, gehört nicht zum Team, bekommt keine E-Mail-Adresse und nutzt eigene Materialien. So kann ein freier Mitarbeiter auch für mehrere Unternehmen und Arbeitgeber gleichzeitig tätig sein.

Was sollte ich bei einer Freien Mitarbeit beachten?

Ein freier Mitarbeiter kann zwar sein Honorar selbst festlegen, muss aber auch sämtliche Sozialabgaben selbst bezahlen.

Als freier Mitarbeiter kann ein Honorar- bzw. Dienstvertrag, oder aber ein Werkvertrag abgeschlossen werden. Bei Honorar- bzw. Dienstverträgen ist ein Stundenlohn festgeschrieben. Hier wird ein festgelegter Dienst gegen ein festgelegtes Honorar erbracht. Ein Werkvertrag dagegen legt ein Projekthonorar fest. In diesem Fall schuldet der freie Mitarbeiter nicht nur eine Leistung, sondern auch ihren Erfolg.

Die Art der Dienstleistung, die zu erfüllenden Aufgaben und die Arbeitszeit sollten in jedem Fall im Vertrag genau festgehalten werden. Es ist wichtig, dass Zeit für andere Projekte in anderen Firmen bleibt, um Probleme mit dem Finanzamt zu vermeiden.

Das Entgelt wird als Gage oder Honorar bezeichnet und beinhaltet ausschließlich das reine Arbeitsgeld. Abgaben, Versicherungen und Steuern müssen vom freien Mitarbeiter selbst gezahlt werden.

Welche Vor- und Nachteile gibt es bei einer Freien Mitarbeit?

Eine freie Mitarbeit hat viele Vor- aber auch einige Nachteile. Nicht nur, für den Arbeitnehmer, sondern auch für das anstellende Unternehmen. Bevor man eine Selbstständigkeit eingeht, bzw. einen Freelancer anstellt, sollte man sich über beide Seiten der Medaille bewusst sein.

Für Arbeitnehmer

Für Arbeitnehmer kann die Tätigkeit als freier Mitarbeiter viele Vorteile bieten: Man ist flexibel in Zeit und Ort, kann über das eigene Gehalt entscheiden und nur Aufträge annehmen, die einen wirklich interessieren. Das macht freier und glücklicher (2). Allerdings sollten auch die Nachteile nicht außer Acht gelassen werden, denn wer nicht fest angestellt ist, bekommt auch kein Urlaubs- oder Krankengeld, muss seine Versicherung selbst bezahlen und für Rücklagen in Flautezeiten sorgen.

Vorteile
  • Freie Zeiteinteilung
  • Ortsunabhängiges Arbeiten
  • Bestimmung des Honorars
  • Eigene Entscheidungsgewalt über Aufträge
  • Flexibilität
  • Abwechslung
Nachteile
  • Kein gesichertes Einkommen
  • Flautezeiten möglich
  • Kein bezahlter Urlaub
  • Kein Krankengeld
  • Versicherungen müssen selbst gezahlt werden
  • Materialien, technische Ausstattung und Arbeitsmittel müssen selbst angeschafft werden
    Scheinselbstständigkeit

Für Arbeitgeber

Arbeitgeber setzten gerne auf freie Mitarbeiter, wenn die Auftragslage schwankt, die eigenen Kräfte kurzzeitig nicht ausreichen oder ein Spezialist benötigt wird. Doch auch für Arbeitgeber ist die freie Mitarbeit ein zweischneidiges Schwert.

Vorteile
  • Lücken in der Personaldecke schließen
  • Kostengünstig, da Sozialabgaben, Prämien etc. wegfallen
  • Flexibilität
  • Keine Kündigungsfrist
  • Arbeit von Spezialisten
  • Planung kann exakt an Anforderungen angepasst werden
Nachteile
  • Unsichere Verfügbarkeit
  • Wenig Zusammenhalt und Loyalität im Team
  • Höherer Stundenlohn
  • Immer neue Einarbeitung

Was verdient man als Freier Mitarbeiter?

Ein freier Mitarbeiter kann einen Stundenlohn, einen Tagessatz oder ein Projekthonorar vereinbaren. Da sämtliche Sozialabgaben selbst entrichtet werden müssen, muss das Salär eines freien Mitarbeiters höher sein als das, eines Festangestellten.

Ein freier Mitarbeiter kann jederzeit und von überall arbeiten und dabei sein Gehalt selbst festlegen. Einerseits ist es dadurch höher als das, vieler Festangestellter, andererseits müssen Steuern und Versicherungen selbst gezahlt werden. (Bildquelle: Pixabay / stokpic)

Zur Festlegung des Lohns kann es hilfreich sein, die Leistungen und Preise anderer freier Mitarbeiter herauszufinden und sich an den branchenüblichen Gehältern, aber auch der Höhe der Sozialabgaben zu orientieren. Wie in jedem Berufsfeld steigt auch hier mit der Erfahrung das Gehalt.

Welche Branchen eignen sich für die Freie Mitarbeit?

Besonders in Medienberufen, Eventmanagement und dem Journalismus sind Freelancer sehr gefragt. Aber auch in der IT und in technischen Bereichen werden immer mehr freie Mitarbeiter eingesetzt (3). Sie werden dann für ein bestimmtes Event, ein festes Projekt oder eine bestimmte Reportage engagiert. Da die Nachfrage nach Freelancern immer höher und der Wunsch ein flexibles Leben zu führen immer größer wird, steigt jedoch auch die Konkurrenz.

Was ist ein fester Freier Mitarbeiter?

Ein fester freier Mitarbeiter zählt grundsätzlich zu den freien Mitarbeitern, wird aber über einen längeren Zeitraum hinweg von derselben Firma immer wieder mit Aufträgen betraut.
Des Weiteren gibt es Pauschalisten, die gegen ein monatliches Entgelt beispielsweise Artikel schreiben und Selbstständige mit Arbeitgeber, die zwar selbstständig agieren, aber einige Einschränkungen haben.

Was unterscheidet freie Mitarbeiter von Freiberuflern?

Während die Begriffe freier Mitarbeiter und Freelancer dasselbe meinen, ist ein Freiberufler etwas anderes. Während freie Mitarbeiter selbstständig sind und dies auch bei den Steuern so angeben müssen, können Freiberufler durchaus angestellt sein. Sie melden sich nicht beim Gewerbe-, sondern beim Finanzamt (4).

Zu den Freiberuflern können Wissenschaftler, Künstler, Erzieher, Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Architekten und viele mehr zählen.

Scheinselbstständigkeit

Ist ein freier Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum nur bei einem einzigen Arbeitgeber beschäftigt, bei dem er auch andere, als die vertraglich vereinbarten Aufgaben übernimmt, besteht keine freie Mitarbeit mehr, sondern ein Angestelltenverhältnis. Hier spricht man von einer Scheinselbstständigkeit (5).

Um Scheinselbstständigkeit zu vermeiden, sollten Freelancer nicht zu lange für einen Arbeitgeber tätig sein.

Wenn das Finanzamt auf eine Scheinselbstständigkeit prüft, gelten nicht die im Vertrag festgelegten Bedingungen, sondern die tatsächliche Arbeitssituation.

Bestätigt sich der Verdacht einer Scheinselbstständigkeit, können auf den Arbeitgeber hohe Kosten zukommen. Er muss auch rückwirkend für den Arbeitnehmer Sozialabgaben und Urlaubsgeld bezahlen. Der Arbeitnehmer verliert seine Status als Selbstständiger, muss mit viel bürokratischem Aufwand rechnen und kann die fälligen Sozialabgaben vom nächsten Lohn abgezogen bekommen (6).

Fazit

Als freier Mitarbeiter hat man viele Rechte und ein hohes Maß an Flexibilität. Vor einem langweilen Büroalltag und immer den selben Aufgaben muss man keine Angst haben. Doch gibt es selbstverständlich auch Pflichten und Nachteile einer freien Mitarbeit. Viel Freiraum bedeutet immer auch viel Verantwortung und Selbstdisziplin. So schön die Arbeit als freie Mitarbeiter auch sein kann, gesichert ist sie nie. Ob die freie Mitarbeit in das persönliche Lebenskonzept passt, muss jeder individuell entscheiden.

Insbesondere sollte darauf geachtet werden, als freie Mitarbeiter für mehrere Auftraggeber gleichzeitig und nie zu lange für einen einzigen zu arbeiten. Ansonsten kann der Verdacht einer Scheinselbstständigkeit bestehen, die große rechtliche und finanzielle Folgen haben kann.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] http://www.business-on.de/hamburg/personalwirtschaft-studie-freelancer-taetigkeit-fuer-juengere-generation-attraktiv-_id38773.html [2] https://www.karriere.de/meine-inspiration/studie-zur-arbeitsbelastung-was-unternehmen-von-selbststaendigen-lernen-koennen/25537336.html [3] https://de.experis.com/ueber-experis/experten-blog/detail/studie-unternehmen-setzen-zunehmend-auf-it-freiberufler-550/ [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Beruf_(Deutschland) [5] https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/Arbeitgeber-und-Steuerberater/summa-summarum/Lexikon/S/scheinselbststaendige_arbeitnehmer.html [6] https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/Arbeitgeber-und-Steuerberater/summa-summarum/Lexikon/S/statusfeststellungsverfahren.html

Bildquelle: pixabay / Tumisu

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